Die Maintaler Stadtführerin Ingeborg Richter M. A. ließ sich am vergangenen Freitag nicht unterkriegen.
Die 74-jährige führte ihren Ausflug, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgte, mit einer ganz kleinen Gruppe durch. Dabei besuchte die Gruppe das Willemerhäuschen und den Goetheturm in Sachsenhausen.
Nach den kompetenten Ausführungen von Frau Richter am idyllischen Willemerhäuschen konnten die Teilnehmer in den achteckigen Räumen Fotografien von Bildern und Handschriften betrachten, z. B. von zwei Frankfurter Ansichten mit eigenhändigen Versen von Marianne von Willemer und von zwei Briefen Goethes an sie.
Goethe hatte dort 1814 die Bekanntschaft mit Marianne gemacht als er im Kreise der Willemers zusammen mit ihr die Leuchtfeuer auf den Bergen anlässlich des 1. Jahrestages der Befreiungsschlacht bei Leipzig betrachtete. Als Zugabe bekamen alle noch den kleinen Goethetempel in unmittelbarer Nähe des Willemerhäuschens zu sehen, einen spätklassizistischen Rundbau aus dem Jahr 1830, der einen Bestandteil der Mauer bildet, die die Schlossresidenz Mühlberg begrenzt.
An der Goetheruhe wies Frau Richter auf den ersten Goetheturm hin, der den künstlichen Hügel bekrönte und der 1920 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.
Der 43,3 m hohe neue Goetheturm, der 1931 nicht weit von der Stelle des alten errichtet wurde, ist durch eine großzügige Spende von 32000 Reichsmark finanziert worden.
Der Spender, Großkaufmann Kommerzienrat Gustav Gerst, Sohn jüdischer Eltern, ist 1948 in der Emigration in New York verstorben. Sein Name wurde erst zu diesem Zeitpunkt bekannt.
Die Forstbehörde sorgt durch regelmäßiges Nachziehen der Schrauben und Bolzen und die Neuimprägnierung des Holzes alle 8 – 10 Jahre für eine lange Lebensdauer des Turmes. Gemäß dem Wunsch des Spenders sollten dies 200 Jahre sein.
Der Ausflug wurde mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken in der Gaststätte Goetheruhe zu Füßen des Goetheturms beendet. Sehr angetan von den interessanten Erlebnissen bei Traumwetter kehrten die Teilnehmer in guter Stimmung nach Maintal zurück.
Vom Römerberg zum Goetheplatz und GoethehausDer Ausflug am 25.6. mit der Stadtführerin Ingeborg Richter M.A. begann am Römerberg, wo der junge Goethe gerne spazierte und dabei den Weg durch die Neue Kräme stets „aufheiternd und ergötzlich“ fand. In der Sandgasse wies die 74-Jährige auf Goethes Großvater väterlicherseits, den Schneidermeister Friedrich Georg Goethe hin, dem die Familie Goethe ihren Reichtum verdankt. Der spätere erfolgreiche Gastwirt zum „Weidenhof“ auf der Zeil und Weinhändler hatte bei seinem Tod 1730 90000 Gulden Barvermögen hinterlassen. Weiter ging es zur Gedenktafel nahe Hauptwache, die an das „Haus zum Goldenen Brunnen“ erinnert, in dem Goethes Mutter von 1795 - 1808 gewohnt hat. Der Rundgang endete am Goetheplatz, der ehemaligen Stadtallee, die 1849 zu Goethes 100. Geburtstag in Goetheplatz umbenannt worden ist.
Frau Richter erwähnte, daß man beim Goethedenkmal ursprünglich an einen Tempelbau auf einem Inselchen an der Nordseite des Mains gedacht hatte, der noch zu Lebzeiten des Dichters erfolgen sollte. Das 2007 wieder auf den Goetheplatz zurückversetzte Denkmal wurde 1844 dort aufgestellt, d. h. 12 Jahre nach Goethes Ableben. Die Reliefs auf dem Sockel des Denkmals weisen auf den Dichterfürsten mit seinen Werken hin und auf weitere Tätigkeiten.
Den Abschluss bildete der Besuch des Goethehauses mit einer örtlichen Führung. Das 1618 errichtete und ursprünglich aus zwei benachbarten Fachwerkhäusern bestehende Haus wurde 1755/56 umgebaut. Das Goethehaus wurde am 22. März 1944 durch Bomben zerstört. Das gesamte Mobiliar, Bücher und Bilder hatten aber noch rechtzeitig ausgelagert werden können. Bereits 1951 konnte das Goethehaus originalgetreu wieder aufgebaut und eingerichtet wieder eröffnet werden. Es spiegelt die Wohnkultur gut situierter Bürger im Spätbarock wieder.
Besonders beeindruckte der Mittelraum der Repräsentationsräume im 1. Stock, genannt das „Peking“ wegen der Chinoiserien auf den Tapeten. In diesem Raum mit Rokokostuckaturen an der Decke fanden Familienfeste statt. Bei gutem Wetter kehrten die Teilnehmer innerlich bereichert in guter Stimmung nach Hause zurück.
Am Freitag, dem 06. August 2010 erfuhren die 16 Teilnehmer der 3. Goetheführung von der Stadt-führerin Ingeborg Richter M.A. zunächst einiges über den Römer in Frankfurt, in dessen unteren gewölbeartigen Hallen sich der junge Goethe gar zu gern verlor und wo er sich Eintritt in das große höchst einfache Sessions-zimmer des Rates verschaffte.
Der Gunst des Schließers im Römer verdankte Goethe, „die neue, heitere, in Fresko gemalte Kaisertreppe“ aus dem Jahr 1741 hinaufsteigen zu dürfen, die im 2. Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Von Goethes Teilnahme am Krönungsbankett für Kaiser Joseph II im Jahr 1764 im Kaisersaal, die Goethe in seinem Werk „Dichtung und Wahrheit“ beschrieb, erfuhren die Maintaler einiges.
Im Kaisersaal wies Frau Richter unter anderem auf den Maler Philipp Veit hin, den damaligen Städeldirektor. Er hat vier der 52 Bildnisse von Kaisern und Königen, die in den Jahren 1838 bis 1853 entstanden sind, geschaffen - nämlich die großformatige Darstellung von Karl dem Großen (768-814), ferner von Otto I. dem Großen (936-973), von Friedrich II. von Hohenstaufen (1215-1250) und von Heinrich VII. von Luxemburg (1308-1313). Seine Kunst besteht u. a. darin, dass er seine Unkenntnis des menschlichen Körpers hinter breit hingeworfenen ausdrucksvollen Gewandflächen und –falten verbirgt. Die Bilder sind alle vom Frankfurter Kunstverein gestiftet worden, so z. B. das Gemälde Karl des Großen.
Nach der Mittagspause fuhren die Teilnehmer unter der bewährten Leitung von Ingeborg Richter mit dem Schiff vom Eisernen Steg zur Gerbermühle – neuer-dings ein Gebäudekomplex aus „historischer Mühle“, Turmschaft und Hotel-neubau in den Farben gelb, grau und rot.
Im heutigen Ausflugslokal im historischen Gebäude begegnete Goethe Marianne von Willemer und feierte dort am 28. August 1815 seinen 66. Geburtstag. Das Geburtsdatum ist in den Fußboden der Gaststätte eingelassen. Im Turmschaft können Reste der gotischen Mühle betrachtet werden und im 1. Stock eine neu geschaffene Goethebüste - eine Herme auf einem sich nach unten verjüngenden Sockel.
Nach dem Kaffeetrinken kehrten alle Teilnehmer angetan von dem vielfältigen Programm in guter Stimmung mit dem Schiff zum Eisernen Steg zurück.
Der Brentanopark gehört mit dem sogenannten Goethetempel zu den verborgenen Frankfurter Goethestätten.
Ingeborg Richter lädt zu einer Führung durch den Brentanopark in Frankfurt-Rödelheim ein.
Dabei ist ein Besuch des Petrihauses mit dem Brentanomuseum vorgesehen und ein Hinweis auf das Modell des Solmser Schlosses.
Im Anschluss daran wird Frau Richter auf dem Peterskirchhof in der Bleichstraße an den Grabstätten von Goethes Vater und Mutter (heute Liebfrauenschulhof) referieren.
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